Der Schnee holt die Erinnerung zurück

Die Türe ist immer noch nicht fertig, genauso wie Corona noch nicht zu Ende ist. Aber ich bin wenigstens mit meiner Türe weiter gekommen. Allerdings muss die Farbe erst wieder einmal gut und ordentlich durchtrocknen.

Stattdessen fand ich diese Woche das Wetter bemerkenswert, so bemerkenswert, dass ich darüber erzählen möchte. An dem Tag, an dem es schneien sollte, kam eine meiner Lieblingsnichten, um mich zu besuchen. „Och“, sagte sie, „es schneit bei Euch ja kein bisschen. Ich hatte mich schon so darauf gefreut.” Ich antwortete: „Was nicht ist, kann ja noch werden.” Aber es kam und kam kein Schnee, um meine Nichte glücklich zu machen. Und inzwischen gab es kaum noch eine Gegend in Deutschland, wo es nicht schneite. Der zweite Tag war vergangen – ohne Schnee.

Aber am späten Abend fing es sanft an, dass die ersten Flocken fielen.

Wir löschten die Lichter und sahen in den Garten. Hin und wieder liefen wir auf die Nordseite, schauten durchs Küchenfenster und sahen tausende von Schneeflocken im Laternenlicht tanzen. Und auch die Autos fuhren hier sehr langsam, als wollten sie die Schneedecke nicht zerstören. Nach einer Weile machten wir es uns gemütlich mit Zimttee, kuschelten uns in die Sessel und blickten wieder in den Garten. Langsam und stetig fiel der Schnee. Die Häubchen auf den Sträuchern wurden zu dicken Hauben und die Stille immer größer. 

Weißt Du noch, als es mal ganz toll bei uns in Hamburg geschneit hat,”

fragte meine Nichte. „Unser Hund sprang in den angehäuften Schnee, verschwand darin und er zappelte und wirbelte so lang, bis er endlich aus der Masse heraus kam. Wir alle lachten so laut, dass bald die halbe Straße aufwachte. Wir zogen die Stiefel an, streiften den Anorak über die Schlafanzüge und hopsten durch den kalten Schnee ohne zu bemerken wie kalt er war. Wir warfen die Schneebälle hin und her, ehe wir am Ende miteinander wieder ins Badezimmer huschten, eine nasse Spur von Schnee und Wasser zurückließen und uns glücklich abtrockneten. Und Ihr habt das auch toll gefunden.” – „Ja,“ lächelte ich, „da waren wir alle noch ganz schön jung, wie Großvater sagen würde. Würdest Du heute noch so einfach in den Schnee springen?” – „Oh nee, ich hätte heute Angst eine Blasenentzündung zu bekommen,” lachte meine Nichte. „Alles zu seiner Zeit,” gab ich zurück, „wir sitzen jetzt hier und genießen diese wunderschöne gepuderte Landschaft und ärgern uns noch nicht einmal, dass wir kein Handy dabei haben, um ein schönes kitschiges Foto zu machen.”

Wir blieben bis zum frühen Morgen wach und genossen diese schöne Landschaft mit all den Gedanken, die sie bei uns auslösten.

Und dazu die Erinnerung, die das einzige Paradies ist, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

Da fällt mir nur mein Satz ein, der mich die ganze Zeit des „Home Paintings” begleitet hat, wie ihr vielleicht erinnert: 

Alles wird gut.

Und stellt Euch vor, es schneit sogar – immer noch. Bemerkenswert. Oder?

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