Neues Video: Frauen sind Waschteufel

Mein Mann und ich führten eigentlich recht lange eine sehr glückliche Ehe. Hin und wieder gab es mal ein bisschen Knatsch, der aber meist von mir ausging, weil mein Geliebter anfing, Dinge zu verlegen, manches zu vergessen schien oder auch einfach verschenkte. Mit ihm konnte man sich nicht streiten, so dass ich meist alleine vor mich hin grummelte. Als wir aber in die Jahre kamen, er so um die 75, ich war erst 60, intensivierte sich seine Vergesslichkeiten. Manchmal bemerkte er es gleich, dass er etwas verlegt hatte, ein andermal verdächtigte er mich oder er versteckte das eine oder andere vor mir.

Im folgenden beschreibe ich, wie es dazu kam, ein Buch zu schreiben. Und ein Video mit einem neuen Probekapitel gibt es auch.

Anfänglich fand ich das noch nicht so schlimm. Doch mit der Zeit wurde ich oft immer ärgerlicher, besonders dann, wenn wir mal einen Termin hatten, zu dem wir pünktlich erscheinen sollten und mein Mann war noch immer in Unterwäsche und vertrödelte seine Zeit. Irgendwann  war ich dann mal so genervt, dass ich richtig sauer wurde. Er blieb ruhig und fragte mich sanft:

Was hast Du für ein Problem? Nichts ist so schlimm wie Sterben. Oder?“

Das war ein Schlag für mich und wenn ich eines nicht wollte, dann ohne ihn sein.

Ich setzte mich also neben ihn und wir fingen an, darüber zu reden, was den einen oder anderen in Rage brachte und wie wir das verändern könnten. Unsere Tante hatte immer gesagt, dass man alt werden beizeiten lernen muss. Vielleicht war doch etwas daran?

Viele Tage sprachen wir über dieses Thema und wie wir damit umgehen wollten. Und dann, eines gar nicht so fernen Tages passierte eine kleine Geschichte, die etwas in uns verändern ließ. Mein Mann kippte sich eine kleine Badewanne voller Wasser über sich. Es war eine Wanne, die sehr schmutzig war. Er hatte Wasser hineinlaufen lassen, um den Schmutz darin aufzuweichen. Die Wanne stand vor unserer Tür auf dem Gartentisch, wo er sie am vorhergehenden Abend hingestellt hatte. Dass sie nur halb auf dem Tisch stand war ihm nicht aufgefallen.

Er erschrak so heftig, dass er das Wort mit Sch… einige wenige Male in seinem Leben gebrauchte. Er sah schmutzig wie die Wanne aus und musste sich von oben bis unten neu einkleiden, was er nie gerne tat. Er schätzte es sehr, seit er kein Chef mehr sein musste, dass er in alten Klamotten rumlaufen konnte. Aber die ausgerechnet waren dreckig und nass geworden.

Als ich ihn so tropfnass stehen sah, musste ich lachen und ein bisschen schadenfroh war ich natürlich auch.

Aber sein Gesicht und den Klackermatsch um ihn herum anzuschauen machte mir so viel Spaß, dass ich mich wunderte. Und es war ja auch nicht in der Wohnung passiert, sondern genau draußen vor der Schiebetür.

Immer noch lachend half ich ihm sich auszuziehen, natürlich vor der Türe und mein Mann meinte seelenruhig: „Willst Du unserer Nachbarin ein Striptease vorführen, dann solltest Du gleich mitmachen.“ – „Könnte ich versuchen,“ lachte ich noch immer und so zogen wir beide, die schmutzige Wäsche auf den Veranda liegen lassend, gemeinsam unter die Dusche.

Noch Stunden später war mein Lachen nicht aus dem Gesicht verschwunden.

Ich liebe es, wenn du lachst. Ich habe das immer geliebt“

freute er sich und wir beschlossen zu versuchen, das Lachen wieder in unser Haus zu holen.

Anfangs fiel es noch etwas schwer, doch allmählich gelang es uns in fast jeder Situation ein bisschen Komik raus zu holen. Ich fing an die Geschichten aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen.

Allmählich gewöhnten wir uns daran, schon am Morgen wieder mit einem frohen Gefühl aufzuwachen.

Als die Zeiten mühseliger wurden mit ihm, hatten wir bereits so viel gelernt, dass unsere gemeinsame Alterszeit von viel Heiterkeit getragen wurde.

Ich habe viel dabei gelernt und spüre noch heute, dass mir bei der einen oder anderen Geschichte noch immer ein Lächeln und manchmal auch das Lachen kommt. 

Es ist eigentlich ganz leicht, glücklich zu sein, man muss nur wissen auf welchen Knopf man da drücken muss. Alles wird gut.

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