Ich glaube, ich möchte heiraten!

Eigentlich sollte ich Euch die Geschichte vom Großvater Alois, Alia und Sofia fertig erzählen, soweit ich sie noch erzählen kann. Ich will mich einfach nicht mehr ärgern über Corona und den ganzen Kladderadatsch.

Also das Kochen klappte nun bei Alois schon recht gut und hin und wieder ließ Sofia ihn schon alleine kochen, meist mit dem wichtigen Hinweis: „Immer gute lesen! Dann gibt nicht so viele Fehler. Und Du bist doch intelligente.“

Schon viele Male hat er, wann immer Sofia Sehnsucht nach italienischer Küche hatte, Spaghetti Bolognese gekocht und das war für alle jedes mal ein kleiner Festschmaus.

In letzter Zeit kam Sofia seltener, um mitzukochen. Außerdem war sie öfter vergesslich geworden, so dass Großvater sich schon Sorgen machte, weil er sie zu viel fragte oder sie zu oft brauchte. Aber Sofia meinte nur immer, er solle sich keine Sorgen machen. Sie sei gesund, munter und immer noch voller Tatendrang für Küche und das Kochen.

Vor ein paar Tagen aber kam sie und trug ihren Pullover falsch rum, dass sogar Alois, der solche Dinge selten bemerkte, dies sah. „Na, kannst Du Dich jetzt schon nicht mehr richtig anziehen,” fragte er sie und Sofia gab verwundert zurück: „Wieso?“ Er wies auf ihren Pullover und meinte nur: „Den trägst Du seit neuestem links rum. Ist das die neue Mode?“

Ich glaube, ich möchte heiraten!“

gab sie plötzlich zur Antwort. „Was meines Du, kann mich einer liebe haben oder bin ich zu hässlich?“ Alois fiel die Kinnlade runter und fragte erschrocken: „Wen willst Du denn heiraten? Nein, Du bist sehr hübsch, nur leider zu jung für mich. Aber was ist mit Dir los?“

Über dieses Gespräch kam Alia dazu, denn die Schule war zu Ende. „Wer will heiraten?“, rief sie in die Küche. „Wir wollen heiraten,“ war Sofias Antwort. Erschrocken gab auch Alia zurück: „Großvater ist zu alt für Dich!“ – „Nein,“ Sofia fing an zu stottern, ehe sie sich umdrehte zu Alia und ihr die Antwort gab, die alle beruhigte: „Ich kenne Jakob schon ganze lange und ich finde ihn toll und schön und sehr liebe. Ihn will ich heiraten. Er hat mich gefragt, ob ich will. Und ich will, will, will. Ganz wirklich. Aber ich habe kein Familia mehr hier und in Italia nur noch Oma mit 99 Jahre. Ich will aber heiraten mit Familia und meine Vater soll mich in Kirche begleiten. Geht aber nicht. Ist nicht mehr da. Das iste meine Problema.“

Nun war sie ganz still und Alois und Alia ebenso. Ganz lange dauerte diese Stille bis Alia laut aussprach, was sie dachte: „Wir sind doch eigentlich schon Deine Familie, weil es keine anderen mehr gibt. Also nimm uns.“ – „Ja, das ist schön,  aber ich brauche Vater, der mich in Kirche bringt.“

Nun wurde auch der Großvater  wieder gesprächig. „Ich bringe Dich wie Dein Vater in die Kirche, wie es sich auch bei uns gehört. Das soll mir eine Ehre sein. Alia ist zu groß für ein Blumenkind, aber sie sollte Deine Brautjungfer sein, Deinen Strauss halten und die Ringe am Altar. Und unser ganzes Dorf wird eingeladen, um dabei zu sein, um  mit uns zu feiern. Ist das ein Vorschlag?“ Er schaute in die Runde und fuhr fort:

„Das Essen werde ich zubereiten, wenn Du mir das zutraust,“ meinte Alois. „Ja, tue ich. Aber immer, wenn Du aufgeregen bist, brennt Deine Essen an und wir haben wieder Gewürz der Seligen. Das ist nich so gut.“

Was machen  wir dann?“

„Jeder aus dem Dorf bringt etwas mit. Das schafft Gemeinsamkeit und auch viel Gesprächsstoff wie gutes Essen zustande kommen kann. Denkt mal daran, wie es auch bei uns angefangen hat. Und nun sind wir schon eine Familie,“ lachte Alia, tanzte fröhlich um die Tische und freute sich. „Mann, wird das toll!“

Der Tag der Hochzeit kam

Alois hatte Jakob kennen gelernt und war sehr zufrieden mit Sofias Auswahl. 

Sofia trug ein einfaches langes weißes Kleid ohne Schmuck und nur mit dem Blumenstrauß in der Hand. Gerührt nahm Alois sie bei der Hand und gemeinsam schritten sie zum Altar, wo Jakob und Alia strahlend über das ganze Gesicht warteten.

Es war die schönste Hochzeit, die man sich denken kann und das ganze Dorf feierte auf der Straße und im Garten mit.

Und wenn sie nicht gestorben sind… Nein, sie leben noch immer und gehören nach so vielen Jahren zu der aussterbenden Gruppe von Menschen, die noch immer zusammen sind.

Ja, alles ist gut.

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