Im Februar wird alles besser

Es ist früher Morgen. Draußen ist es noch dunkel, nur der Schnee schimmert leicht von der Laterne hinterm Gartenzaun angeleuchtet. Es ist still und ich höre kein Auto in dieser Coronazeit. In 5 Minuten wird der Bus kommen. 2 Menschen stehen auf der anderen Straßenseite und warten auf ihn. Wird er pünktlich sein? Er fährt schließlich nur alle 20 Minuten.

Der Bus ist pünktlich und die beiden steigen ein. Der Bus ruckelt ein bisschen, ehe er losfährt. Ich drehe mich um und schaue wieder in den Garten. Noch immer ist es nicht hell. Ich habe die Dunkelheit noch nie so stark empfunden wie in diesem Jahr. Selbst die Sterne in der Nacht kann man nicht sehen. Die Wolkendecke hängt schwer am Himmel.

Vor vielen Jahren, so erinnere ich mich, stand ich morgens oft am Fenster und beobachte die Leute in ihrem Ritual, wie sie von zu Hause fortgingen, eingemummelt in den dicksten Jacken. Und mit ihren Stiefeln stapften sie ungeschickt durch den Schnee.

Ich erinnere mich an Oma Koch, wie sie Tobi, ihren Enkel, in den Kindergarten brachte. Er mochte das gar nicht und sie versuchte ihn jeden Tag wieder und wieder an ihrer Hand zu führen. Der Schnee lag dick auf dem Bürgersteig und sie hatte Mühe Tobi zu halten. Aber da konnte sie unerbittlich sein und ließ sich nicht einen Moment irritieren, um ihn loszulassen. Ich konnte die beiden jeden Morgen, wenn ich unsere Kinder für die Schule abgewunken hatte, beobachten, weil sich dieses Spiel Tag für Tag vor meinem Fenster abspielte. Dazu erahnte man auch noch mehr als man hörte, wie wütend er war und glaubte, eine Wolke an Wut aus seinen Nasenlöchern schnauben zu sehen.

Den ganzen Winter ging das so, bis es endlich Frühling wurde.

Dann hatte sie ihn ein bisschen gezähmt und er lief schon ruhiger neben ihr. 

Vor unserem Haus stand eine Bank, auf der wir im Sommer oft saßen. Aber im Winter hockten dort immer irgendwelche Schneemänner, mal von unseren Kindern gebaut, mal von anderen oder auch in Gemeinschaftsarbeit. Das sah sehr lustig aus und einmal war deswegen auch ein Reporter da, um die Bank für die Zeitung zu fotografieren.

Im Winter war es so, dass der Schnee uns die meisten Tage begleitete. Mal gab es mehr, mal weniger vom weißen Pulver. Jetzt freut man sich, wenn es überhaupt schneit und irgendwann wird der Tag kommen, wo wir unseren Enkeln erklären müssen, dass das Eis nicht nur aus dem Kühlschrank kommt, sondern auch mal auf der Straße oder auf den Dächern lag, die Autos durch die Gegend rutschten oder Eiszapfen gefährlich wie spitze Messer an den Dächern hingen und herunterzufallen drohten.

Klimawandel begleitet uns.

Draußen wird es nun heller, doch nicht freundlicher. Es bleibt grau in grau und der Schnee macht es nicht schöner. Kein Kindergeschrei auf den Straßen und auch keine  Schulkinder weit und breit. Coronazeit!

Ich habe die ganze Woche nicht an meiner Türe gemalt. Und nun ist sie genauso unfertig geblieben wie unsere Coronazeit mit dem Lockdown nicht beendet ist. Alles ist triste, bleibt triste und ist kaum zu ändern. Aber bald ist schon der 14. Februar, der Valentinstag, da wird sich alles, alles ändern und —

„Alles“ wird gut.

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